Von Vorurteilen

In den letzten Tagen habe ich oft über ein bestimmtes Portrait nachgedacht dass ich mir so lange vorgenommen hatte und ich es nicht gewagt habe zu zeichnen. Irgendwie habe ich es mir einfach nicht zugetraut das toll genug hinzubekommen dass es dem was es mir bedeutet gerecht wird. Trotz allem habe ich es einfach mal versucht auf die Gefahr hin bei Misserfolg das Bild einfach zu verbrennen und einen heidnischen Tanz zu vollziehen und für etwas mehr Talent zu beten. Irgendwie war es dann doch in Ordnung, die Meinungen waren positiv und so habe ich das Feuer weggelassen und damit eine Barrikade in meinem Kopf überwunden in der Hoffnung mich in Zukunft künstlerisch zu steigern.
Um die Geschichte des Bildes möchte ich nicht so einen großen Rummel machen, außer dass es eine Herzensangelegenheit ist, zum größten Teil verbunden mit Musik. Darüber zu schreiben, so weit bin ich noch nicht.
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Am Samstag durfte ich in ein Konzert des Mannes meiner Mutter, er spielt in einem Orchester Klarinette und einmal im Jahr gibts dort einen Auftritt. Verpassen will man das nicht, die Vielfalt der Stücke war sehr groß, ein paar hab ich auch aufgenommen und ihr könnt sie euch hier ansehen wenn ihr wollt. Vor allem die Bühne finde ich immer wieder toll, die aus leeren Bierkisten errichtet wird. Unter anderem war auch unser Hauptdarsteller vom Theater da und hat ein Lied mit dem Orchester vorgetragen:
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Wie verschieden Menschen sind, stelle ich immer wieder fest, und das sind nicht nur Bekannte und Freunde sondern allen voran auch die Familie. Oft frage ich mich: Bin ich mit diesen Leuten wirklich verwandt? Klar, optisch sieht man vor allem die Ähnlichkeit mit meinem Vater sofort, aber auch die meiner Mutter lässt sich nicht wirklich abstreiten. (Wäre auch die Letzte die das möchte) Und dann umgibt man sich mit seiner Familie und fragt sich, was man mit diesen Menschen wirklich noch gemeinsam hat.
Im Grunde ist genau diese Vielfältigkeit eine schöne Sache, man entdeckt immer wieder Neues und erfährt Dinge und Vorlieben, die man bei diesen Leuten nie für möglich gehalten hätte.
Deshalb bin ich eine echte Verfechterin einer Vorurteil freien Welt, auch wenn es das wahrscheinlich nie geben wird. Für mich gibts kaum etwas schlimmeres als Vorurteile, und wenn man sie einmal hat dann wird man sie so schnell auch nicht mehr los. Egal was andere sagen, man sollte den Menschen die Chance geben sie kennen zu lernen und sich eine eigene Meinung zu bilden, wenn sie einem dann zu oberflächlich, unsympathisch, oder sonst was sind, dann hat man immer noch die Möglichkeit den Kontakt abzubrechen in dem Wissen wie der Mensch ist und nicht wie man gehört hat, dass er wohl sein sollte. Am Samstag habe ich mich dann mit einer Person unterhalten, erst über dies und jenes, irgendwann hatten wir uns über den Theatersänger unterhalten und ich meinte dass ich seine Stimme gerne mag und finde dass er ein sehr guter Sänger ist. Außerdem organisiert er das Laientheater (bei dem ich ein Teil sein durfte) und hatte am 13. Mai als letzten Auftritt sogar einen im Landestheater Linz. Außerdem ist das Theater in Österreich schon relativ bekannt geworden und zu eines der besten Laientheater in unserem Land gewählt worden.
Nun mein Bekannter meinte dann, dass er überhaupt nicht singen könne, (das Beste kommt aber noch, über Musikgeschmack lässt sich ja generell schwer streiten) weil er ja politisch nicht auf seiner Welle ist, darum kann er ihn auch gar nicht leiden und er sei arrogant und untalentiert.
Damit hat er so ziemlich jedes Klischee über Vorurteile getroffen, Gott sei Dank ist er zusätzlich stur genug um ihm nichts sagen zu können. Mein letzter Satz war dann die Frage, seit wann Talent von der politischen Orientierung abhängt und er sich glaubt ein Urteil über jemanden zu erlauben den er nicht kennt.
Roar, dann hatte ich erstmal genug.
Sowas macht mich wirklich wütend und die Lust mich mit diesen Personen weiter zu unterhalten sinkt gen Null.
Vor einiger Zeit hatte ich ein ähnliches Erlebnis, nur waren die Vorurteile mir gegenüber und in diesem Grade war ich das erste Mal damit in dieser Form konfrontiert. Da ich ungern Leuten ins Leben quatsche und ihnen Ratschläge gebe wie sie etwas besser machen war ich umso geschockter wenn das jemand macht den ich kaum kenne. Selbst meine Familie gibt mir selten Ratschläge und wenn doch in einer respektvollen Form von Kritik aus der man etwas machen kann, jegliche Diskussionen und Worte die im Streit fallen schließe ich da einmal aus.
Zufälligerweise (oder auch mit Absicht) hat mich diese Person im Gespräch mit einer anderen, mithören lassen wie ich so bin, welch schlechter Umgang ich wäre für die besagte zweite Person in dem Gespräch und wie schlecht ich mich doch verhalte. Da erinnere ich mich an meine Schulzeit, da habe ich das auch oft gehört. Ein Engel war ich nie, das steht schon mal fest. Allerdings bin ich der Meinung, dass man seinen Spaß haben sollte wenn man dann mal lauter ist oder feiert, mal zu viel trinkt oder einfach mal irgendwo hinfährt ohne Plan und Ziel, wer weiß schon wie kurz das Leben ist. Das durfte ich immerhin am eigenen Leib spüren.
Wenn man Jahre damit verbringt das man jeden Moment umkippt und nicht mehr aufwacht, dann genießt man irgendwann am meisten das, was man hat. Ich denke dass man sich seine Wünsche und Träume erfüllen sollte, nicht irgendwann sondern sobald es einem möglich ist bevor es dann vielleicht zu spät ist.
Zurück zum Thema: Sich also mal seinen Spaß zu gönnen, Mitbewohner oder Nachbarn zu wecken weil man mal zu laut ist, sollte kein Weltuntergang sein, vor allem dann wenn es nicht jeden Tag ist sondern ab und an mal vorkommt. Zusätzlich ging die Beschwerde noch um eine vierte Person, die sich in besagter Nacht übergeben musste und das halbe Haus deshalb aufgeweckt hatte. Gut, ist vielleicht nicht unbedingt schön, allerdings war es für Betroffenen bestimmt auch kein Freudenfest die Nacht über der Kloschüssel zu verbringen. Passiert war es in Folge von Alkohol, ob es nun zu viel oder einfach das falsche Getränk war, weiß ich nicht. Allerdings wusste das auch mahnende Person nicht, was wäre also gewesen wenn kotzende Person einfach etwas falsch gegessen hätte oder krank wäre. Ihr Vorurteile kommet und vermehret euch.
Also habe ich damit gelernt dass ich ein schlechter Umgang bin, obwohl mich diese Person nicht im geringsten kennt und im Grunde nach wenigen Minuten zusammen nicht darüber urteilen kann wie ich bin. Obwohl man sich in Höflichkeit übt ist dabei natürlich auch etwas Enttäuschung, immerhin wage ich es bis heute nicht über lästernde Person zu urteilen. Ob man in seinem Leben mal über die Stränge schlägt, nicht alles mag was einem vorgesetzt wird, auch mal nein sagt und ist, wie man ist, heißt es nicht gleich dass man ein schlechter unhöflicher Mensch ist. Oder doch?
Und das obwohl ich mich oft dabei erwische, mich zu vielen Dingen zu zwingen die ich eigentlich nicht möchte, nur aus Höflichkeit und mich dann später frage ob ich noch ganz dicht bin. Im Gegenzug würden das wahrscheinlich kaum bis keine Leute machen.
Zu guter letzt ging es dann noch um die Erziehung meines Hundes Leo, da wars dann vorbei bei mir. Ich wollte das darauffolgende nicht mehr hören. Weil besagte Person auch einen Hund hat, darf man wohl darüber urteilen wie schlecht man einen Hund erzieht weil er nicht Sitz, Platz oder sonst was macht. Ich habe es schonmal bei einem Eintrag erwähnt, ich möchte nicht dass er das kann, er muss es nicht können. Ich weiß dass ich ihm oft zu viel erlaube, allerdings glaube ich auf die wichtigen Dinge zu achten, dass er eine richtige Ernährung erhält und sehr viel Ausgang sowie freien Auslauf. Gewisse Grenzen hat er trotzdem, er weiß wohin er darf und wohin nicht.
Wenn ein Hund aus einem professionellen Rassewurf kommt sieht das etwas anders aus, der Hund hatte es immer gut und hat die richtige Erziehung und Maßnahmen erhalten für ein gesundes Leben. Natürlich lernt so ein Hund sofort alles freiwillig, möchte seinem Frauchen/Herrchen gefallen etc. Ist auch alles schön und gut, allerdings ist mir das nicht wichtig.
Ich bin glücklich das ich ihn habe und nicht irgendeinen anderen Hund, dass seine Vergangenheit schwer war, er geschlagen und gebissen (von anderen Hunden) wurde, weiß besagte Person ja nicht, aber das Urteil welch böser ungehorsamer Hund er doch ist, stand gleich fest. Meiner Meinung nach hat der Mensch nicht das Recht einen Hund als seinen Sklaven zu halten, Gehorsam ist schon wichtig, allerdings bis zu einem gewissen Maße. Ich finde es auch nicht toll dass der Hund Tag und Nacht draußen sein muss egal wie kalt oder heiß es ist. Für mich ist das keine Tierliebe seinen Hund nicht an sich ran zu lassen und kann nicht verstehen dass man sich bei so einer Gefühlslosigkeit und Kaltherzigkeit überhaupt ein Haustier hält. Wenn ich weiß dass ich mit dem Tier nicht richtig umgehen kann sodass es das bekommt was es braucht und das ist nicht nur Futter sondern allen voran viel Zuwendung, dann hole ich mir auch kein Tier.
Ich weiß das Leo seine Zunge nicht zügeln kann und das nicht jeder das möchte ist auch kein Problem, wenn ich es weiß nehme ich ihn dahin auch nicht mit oder halte ihn fern, das ist ja auch nichts Schlimmes. Als ich das erste mal hörte dass eine der Personen das Geschlecke von ihm eigentlich gar nicht abkann, obwohl die Person zu mir sagte es würde nicht stören, hätte ich von Anfang an erahnen sollen, dass ihn mitzunehmen keine gute Idee war. Den Fehler gestehe ich mir gerne ein.
Wenn man Angst vor Hunden hat oder die Nähe nicht gerne hat, dann ist das einfach zu respektieren, wie ich finde.
Auch wenn es nach einem Vorurteil klingt, (ganz frei davon bin ich nicht) ich habe gesehen wie der Hund lebt und meiner Meinung nach ist es nicht gut und ich bin traurig beim Gedanken dass das Tier alleine ist, fast den ganzen Tag.
Nun das liegt leider oft im eigenen Ermessen.
Allerdings ist es nicht so dass ich auf die Meinung wirklich wert lege, immerhin kenne ich diese Person kaum, nur frage ich mich oft was im Leben eines Menschen passieren muss, dass man eine derartige Distanz zu jedem Menschen (sogar zur eigenen Familie) entwickelt, ich kann mir nicht vorstellen dass einen das glücklich machen kann. Wenn man irgendwann von diese Welt geht, wird es keinen interessieren ob man ein Leben lang das getan hat was sich gehört, und was in den Benimmregeln steht, niemand wird es interessieren ob das Bett jeden Tag sauber gemacht wurde oder ob immer alles im Haus tiptop war anstatt mal den Sonnenuntergang zu genießen. Dann wird man sich nur fragen, was man in all der Zeit hätte tun können, mit der man die Dinge verbracht hat die einen nach Außen perfekt erscheinen lassen. Jeden schönen Schein den so viele Menschen aufrecht erhalten kann nur eine einzige Person zerstören.
Nicht das ihr nun glaubt ich hause in ner Müllhalde so ist es nicht. *gg* Bei mir ist es auch immer sauber, allerdings auch etwas chaotisch, ich will nicht perfekt sein. Ein Bild darf mal etwas schief hängen, die Welt ist deshalb noch nicht untergegangen, das Geschirr darf mal eine Nacht im Spülbecken stehen ohne dass ich nicht schlafen kann.
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Veröffentlicht am 22. Mai 2011, in Künstlerisch, Leo, Nachdenkliches, Tiere, Unterwegs. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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