Die richtigen Worte

Diesmal war es kein Regen als wir uns mal wieder trafen. Die Straße war glatt und eisig, dicke Schneeflocken schwebten vom Himmel als ich bei dir in dem Café Platz nahm. Es war selten geworden dass wir uns zur kalten Jahreszeit trafen, umso mehr konnte ich mich auf dieses Treffen freuen. Wie oft ich dich auch ansah und wie gut du deine Trauer immer zu verbergen vermochtest, dein Gesicht verriet mir die Wahrheit. Der Glanz in deinen Augen war keine Freude, du bist den Tränen näher denn je gewesen. Obwohl ich versucht hatte von dem Thema abzulenken und mich zurückzuziehen hast du mich nicht in Ruhe gelassen.
Du hast angerufen, manchmal mehrmals am Tag. Ab und an hast du nur einen Zettel hinterlassen, kleine Botschaften um mich nicht für immer vergessen zu lassen dass du da bist.
Mit einem kleinen Witz, einem winzigen Satz hast du mich dort wo du mich haben willst und ich hatte mich oft gefragt ob ich mich so gut kenne wie du mich.
Zu diesem Treffen ging ich mit einem festen Vorsatz: Dir das Herz zu brechen, für immer. Ein schnelles Ende um mich in Ruhe mir zu widmen. Meinem Leid, meinen Problemen. Ohne Rücksicht auf irgendjemanden.
Als dein Mund sich dann zu Wörtern und diese zu Sätzen formten waren alle meine Pläne weg. Was auch immer ich sagen würde, es war nicht einmal ansatzweise was ich gewollt hatte.
Aber auch in deinem Blick lag heute Veränderung, minutenlang unterwarf ich mich deinem prüfenden Blick als du mich von oben bis unten gemustert hast. Nach einem kurzen ‚Nah mein Schäfchen‘ ließ dein Blick von mir ab. Trotz allem fühlte ich mich niemals mehr so sehr im Zugzwang als an diesem Tag.
Außer einem ‚Es ist ausgebrochen‘ konnte ich nichts sagen und bin überhastet aus dem Café geflüchtet. Nur wenige Sekunden später bereute ich meine Entscheidung zutiefst. Der Gedanke deinen verletzten Blick im Rücken zu haben ließ mich dennoch nicht stoppen.

Ich bin selbst Schuld an dieser Sache, wie konnte ich es wagen meiner großen Liebe, meinen besten Freunden und meiner Familie das anzutun?
Mehr als die Tatsache selbst hatte mich euer Verständnis in den Wahnsinn getrieben, das Verständnis, die Hilfe und Zuversicht.

Im Grunde soll es auf eine Entschuldigung hinauslaufen, denn wenn du diesen zerknitterten Zettel in den Händen hältst dann wissen wir was es zu bedeuten hat. Vielleicht habe ich mich sogar entschuldigt, andererseits bin ich sicher das wir es auf unsere übliche Art geregelt haben. Die Lachattacken haben immer alles geregelt, egal wie sehr wir uns gestritten hatten oder wer Mist gebaut hatte.

— — —

Manche Worte sind verwischt und kaum zu lesen, doch was sie bedeuten ist klar. Es kam selten vor das sie den ganzen Brief lesen konnte. Trauer sitzt auch nach etlichen Jahren noch in den Knochen. Warum man einen lebenslustigen wundervollen begabten Freund an eine Krankheit wie diese verlieren musste war eine Tragödie. Sie wusste nicht genau wie es geschehen war das er sich mit dem HIVirus infiziert hatte, lebte er doch seit langer Zeit mit seinem Partner zusammen. Es war wie ein unerklärlicher Schlag ins Gesicht. Die ersten Wochen hatte sie nur getrauert und geweint, zusammen mit seinem Freund, seiner Familie und all den Bekannten und geliebten Menschen.
Ab und an überkam sie sogar die Wut. Wie konnte er sie alleine lassen? Und später sogar noch eine weitere Freundin zu sich holen? Wie konnte er sich davor drücken für sie da zu sein, und ihr die Chance nehmen weitere schöne Stunden zu verbringen? Doch die Erinnerung war zu klar und zu schön. Sie konnte nicht wirklich böse sein, den sie hatte ihn auf diese eine freundschaftliche Weise geliebt die sie kannte. Sein Partner hatte ihr oft erzählt wie viel aus ihm hätte werden können und welch unsagbares Talent er doch hatte. Sie konnte nicht genug von seinen Geschichten bekommen und somit den Erinnerungen.
Jahre sind vergangen und doch denkt sie fast täglich an ihn, sie würden sich eines Tages wieder sehen, das war klar.

Veröffentlicht am 4. April 2012, in Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Voi traurig :-( hoff dia gehts wieda bissl bessa. I fü mi maunchmoi ähnlich na eigentli sogoa ziemli oft. Schick da Knuddls und a won i grod ned vü dazua schreim kau du kennst di e aus goi? Hdl
    bussal ღ

  2. @Lisza
    Danke Maus :‘) *schnief*

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