Der silberne Ring

Sind es nicht die eigenen Probleme die in dieser Welt am schwersten wiegen? Bin ich es nicht die es immerzu am Schwersten und Schlimmsten hat? Warum sind es meine Sorgen die so schwer auf meiner Seele liegen, dazu verdammt auf ewig dort zu bleiben?
Die Worte ihrer Freundin hallen noch heute durch ihren Kopf. Es waren einige der letzten die sie sagte bevor sie sich umgebracht und nichts zurückgelassen hatte. Nichts außer diese Worte und einen silbernen Ring in dem ein kurzer Satz eingraviert war.
Emilia blickte wütend aus dem Fenster ihres Apartments, während sie sich schmerzverzerrt an den Hals fasste. Das Taschentuch in ihrer Hand hatte sich mit der roten Körperflüssigkeit gefüllt der sie am Leben erhalten sollte. Ein leises Röcheln entwich ihrer Lunge als sie versuchte dem heranstürmenden Arzt zu erklären was mit ihr passierte.
Ein weiteres lautes Husten folgte. Der Doktor versuchte sie zu beruhigen und legte sanft eine Hand auf ihre Schulter.
Ruhig atmen.
Das Blut floss durch ihre Finger und tropfte auf ihr Kleid.
Krebs.
Mehr brachte sie nicht hervor. Wieder ein lautes Husten, gefolgt von leisem Röcheln.
Der Arzt nickte. Wir kennen uns, Emilia. Alles ist in Ordnung gleich geht es dir besser.
Sie spürte nicht einmal die Nadel die durch ihre Haut stach und in ihrer Vene zur Ruhe kam. Eine farblose Flüssigkeit pumpte sich durch die Spritze in ihren Körper.
Sie fühlte sich besser und erwiderte die Hilfe des Sanitäters der ihr aufhalf. Der Wagen würde sie nun ins Krankenhaus bringen, es war das selbe Prozedere wie immer. Vorsichtig ließ sie die Hand über ihr Haupt gleiten, ein Tuch verdeckte den kahlen Kopf. Es war lange her als sie noch schönes dunkles Haar hatte.
Ein junger Mann kämpfte sich zwischen den Schaulustigen durch bis zum Krankenwagen. Emilias Partner Claas stürmte auf die junge Frau zu und sprang in den Wagen. Er sagte nichts, sein Gesicht war eine Mischung aus Besorgnis, Angst und Trauer. Sie sah ihm an das er gegen die Tränen ankämpfte.
Lass mich heute nicht alleine.
Emilia blickte ihrer großen Liebe in die Augen während sie über seinen kahlen Kopf und sein schönes Gesicht strich. Als sie begonnen hatte ihre Haare zu verlieren hatten sie sich beide die Haare abschneiden lassen.
Wer würde die schon brauchen.
Es war ihr nicht entgangen dass Claas oft weinte, fast täglich, heimlich. In Gedanken klammerte er sich an die unbeschwerten schönen Tage und versuchte sie ebenso daran festhalten zu lassen. Nachts wenn die Schmerzen manchmal unerträglich waren hielt er sie fest im Arm und strich ihr über den Kopf. Er erzählte ihr wie sehr er die Zeit zusammen genoss, wie sehr er sie liebte und durch welche Augen er diese Momente sah, wie er Emilia sah.
Das Krankenhaus hatte sich nicht verändert, Woche um Woche die selben Gesichter.
Der Arzt nickte Claas zu und schloss die Tür zu ihrem Zimmer. Mittlerweile war es ihr Zimmer geworden so oft war sie hier.
Sie sah ihren Partner mit großen Augen an, noch immer hatten sie kein Wort gewechselt.
Du bist wunderschön.
Claas brach die Stille und legte seinen Kopf in ihren Schoß. Langsam schloss er die Augen, er wusste welcher Tag gekommen war. Nun streichelte sie erneut über sein Gesicht und schloss ebenfalls die Augen.
Wäre alles das nicht passiert, wer wäre ich nun?
Vorsichtige hob er den Kopf und sah ihr zu wie sie langsam ruhiger wurde.
Sie hatten zusammen eine neue Sicht auf die Welt gewonnen, es war einmal geschafft und ein neues Leben hatte begonnen.
Euch allen hat sie es gezeigt.
Fuck you Universum. Fuck you Schicksal.
Wie sehr er ihr Lachen vermisste, er wischte die Tränen aus ihrem Gesicht als Emilia die Augen öffnete.
Sie vermisste sein Lachen.
Wieder dieses kratzende Husten, sie spuckte Blut erst in ihre Hand, dann in ein Tuch das neben dem Bett lag. Ihre Haut begann zu jucken, sie kratzte bis sie blutete.
Claas konnte sie nicht mehr aufhalten, beide wussten welcher Tag heute war. Er streichelte ihr Gesicht, ihre Arme und Hände.
Ich liebe dich.
Emilia weinte.
Ich möchte nun nicht mehr, lässt du mich gehen?
Er legte sich neben sie in ihr Bett.
Alles ist gut, geh nur. Ich bin bei dir.
Er hielt sie an den Händen, fest in seinen Armen.
Emilias Augen waren bereits geschlossen.
Ein silberner Ring fiel zu Boden.
Klirr.

Ring

‚Till the very end

Veröffentlicht am 11. Oktober 2013, in Gedankengewirr, Nachdenkliches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Ein so berührender Text, du kannst fantastisch schreiben. Deine Worte sind so berührend man fühlt sich in die beiden rein.

    Nicht aufgeben. :-)

    Grüße Chris

  2. I woas du host so a schware Zeit jetz und bitte vazei ma das i mi so scheiße vahoidn hob i wü nua fia di do sei. Wia zwa haum des scho amoi durchgstaundn warum soid ma des ned nuamoi schoffn? I wü da so wia domois in Rückn stärkn und di stützn wauns ausschaut ois dad de Welt üwa dia eibrechn und de Gedaunkn die wieda üwarennan.
    Es woa schwa und es is schwa und du wiast den Kaumpf gaunz sicha wieda gwinna du muast weida stoak sei und Mut haum. Wia wissn beide das du des bist und grod jetzt is auf kan Foi da Zeitpunkt zum aufgem. Niemois! I wü di ned untageh lossn oda dasd du des Gfüh host du bist ala oda nix wert des duad ma ois load. Du bist ma so vü wert und i hob mi benumma wia da letzte Idiot nua weil i Aungst hob das i di jetz valia und hob ma söwa so des Haxl gstöd… ;-( Bitte vazeih ma des mia kennan uns scho so laung des deaf ma doch ned aufgem? Wia han duach dick und dünn gaunga und des üwa zwanzg Joa.
    Es soid so wean wia früha, das i da Zuvazicht und Hoffnung schenkn kau und dasd positiv trotz oi de Schmerzn und dem Leid in de Zukunft schaun kaunst.
    Du gehst scho jetz den richtign Weg du teilst mid de wichtign Leid dei Lem und ois wos grod passiert und schützt die so guad wias geht voa de Sochn de da weh dan. Du woast imma scho a Kämpfarin de des beste aus oim gmocht hod wos da des Lem so voaghoidn hod und host as mid Würde und erhobenen Hauptes ertrogn. Des is beeindruckend und Menschn mid vü weniga schware Zeitn san scho gscheitat wosd du nu mid an Lochn mia gegenüba gsessen bist und gsogt host ois wiad guad.
    Imma wieda host de schlimmen Tog üwastaundn und de deprimierende Zeit und host zuletzt glocht so wiads a desmoi wieda sei. Steam is ned des wasd du so wia i weil es gibt so vü Leid di di brauchn und vo Herzn liebn. Es is imma leicht gsogt waun ma des ned duachmochn muas des woas i a owa i wü nua dasd du woast du bist ned ala.

    I hob di lieb, bussal ღ

  3. @Chris
    Danke dir für deine netten Worte, das bedeutet mir wirklich viel. :)

    @Lisza
    Das haben wir wirklich und du weißt genau das du mir ebenso unendlich viel bedeutest und kleine Rückschläge können uns auch gar nichts anhaben, oder? :) Deine lieben Worte bedeuten mir ganz besonders viel weil ich weiß wie aufrichtig und lieb sie gemeint sind. Und aufgeben ist sowieso nicht drin, das wäre doch gelacht. Manchmal müssen gewisse Dinge einfach aus dem Kopf, da tut es gut einen Blog zu haben um sich da ‚ausleben‘ zu können. Immerhin ist es nur eine Geschichte. Stimmts? :) Ich hab dich auch sehr lieb Süße. <3

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